{"id":1832,"date":"2012-11-27T22:00:38","date_gmt":"2012-11-27T20:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fanatico-boys.de\/?p=1832"},"modified":"2012-11-27T22:01:10","modified_gmt":"2012-11-27T20:01:10","slug":"ohne-stimme-keine-stimmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fanatico-boys.de\/?p=1832","title":{"rendered":"Ohne Stimme keine Stimmung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.fanatico-boys.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/12doppelpunkt12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1833\" title=\"12doppelpunkt12\" src=\"https:\/\/www.fanatico-boys.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/12doppelpunkt12.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"364\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>In den letzten Tagen h\u00f6rte man zunehmend von geplanten deutschlandweiten Aktionen, die sich gegen die inzwischen \u00f6ffentlich gewordenen Vorstellungen der Kommission \u201eSicheres Stadionerlebnis\u201c richten sollen. Was hat es damit auf sich? <\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Zusammenhang einer seit einem Jahr laufenden medialen und politischen Kampagne gegen Fu\u00dfballfans und aktive Fanszenen, unterst\u00fctzt durch spektakul\u00e4re Ereignisse wie Dortmund gegen Dresden, D\u00fcsseldorf gegen Hertha oder Karlsruhe gegen Regensburg kam es in Folge der j\u00fcngeren Entwicklungen zu der Erarbeitung eines Pamphlets durch eine vom Ligaverband ins Leben gerufene \u201eKommission Sicherheit\u201c. Das Zustandekommen und die inhaltliche Ausrichtung dieses Schriftst\u00fccks haben von unserer Seite das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, gemeinsam unsere Ablehnung zu demonstrieren.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0Dann einmal der Reihe nach. Wer ist denn \u201ewir\u201c?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir, das sind aktive Fangruppen aus mehreren Dutzend deutschen Vereinen. Die aktiven Fanszenen haben sich zeitgleich zum \u201eFangipfel\u201c, ebenfalls am 1. November und ebenfalls in Berlin, auf einer separaten Veranstaltung getroffen. Das waren vor allem Ultr\u00e0gruppen der verschiedenen Vereine, um die auf der Veranstaltung gemachten Kompromisse danach an ihre jeweilige weitere Fanszene und ihren Verein heranzutragen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0Also gab es zwei unterschiedliche Treffen an einem Tag zum selben Thema?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im weitesten Sinne ja. Die Zielsetzungen der beiden Treffen waren aber unterschiedlich und wurden gerade wegen der Wichtigkeit des Themas separat durchgef\u00fchrt. W\u00e4hrend der \u201eFangipfel\u201c noch am selben Tag eine Stellungnahme pr\u00e4sentieren wollte und sich mit der Einflussnahme und Wichtigkeit der aktiven Fanszenen besch\u00e4ftigte, zielte unser Treffen auf konkrete Aktionsformen ab, mit denen in den n\u00e4chsten Wochen sinnvoll und wirksam Protest zum Ausdruck gebracht werden kann. Unser Treffen war also keinesfalls konspirativ zum \u201eFangipfel\u201c gemeint. Im Gegenteil, wir begr\u00fc\u00dfen die Gegenwehr gegen die Arbeit der \u201eKommission Sicherheit\u201c auf allen Ebenen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Wer ist denn die \u201eKommission Sicherheit\u201c und wie ist sie zustande gekommen?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Kommission wurde vom Ligaverband Ende August ins Leben gerufen und ist somit die Reaktion des Ligavorstandes auf die Task Force Sicherheit, die Sicherheitskonferenz und die Innenministerkonferenz. Die Kommission ist ohne Einbeziehung von Fans und auch ohne Einbeziehung des DFB entstanden und besteht aus DFL- und Clubvertretern mit dem Vorsitzenden Peter Peters an der Spitze.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0Welche Punkte kritisiert ihr genau?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das Pamphlet ist in G\u00e4nze abzulehnen! Die Entstehung ist eine absolute Frechheit und torpediert die erfolgreiche Arbeit in vielen Vereinen. Um alle Punkte zu nennen, reichen nicht einmal zehn Finger aus. Von sehr speziellen Menschenrechtsverletzungen wie Ganzk\u00f6rperkontrollen durch ungeschultes Personal oder direkte Einsicht f\u00fcr den Ligaverband in polizeiliche Ermittlungen, \u00fcber repressive Rundumschl\u00e4ge wie Verl\u00e4ngerung der Stadionverbote oder Kollektivstrafen f\u00fcr gesamte Fanszenen bei Verst\u00f6\u00dfen einzelner, reicht das Papier bis zu aufgezwungenen Fankodizes und einem m\u00f6glichen Verbot von Stehpl\u00e4tzen. Viele Vereine haben sich ausf\u00fchrlich gegen das Papier ausgesprochen und Stellungnahmen geschrieben. Diese sollte jeder Interessierte studieren. Die Tendenzen, die aus dem Pamphlet abzuleiten sind, sind wirklich erschreckend und die einzelnen Forderungen zeichnen ein Bild, was keinesfalls der Wirklichkeit entspricht.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0Also zielt das Paket eurer Meinung nach in die falsche Richtung?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ganz klar! Es gibt keine verl\u00e4sslichen Statistiken, die den Zustand eines Gewaltproblems beschreiben. Die ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteins\u00e4tze) verbreitet tendenzi\u00f6se Zahlen, welche sich nicht mit den get\u00e4tigten Aussagen decken. Hinzu kommt, dass fr\u00fchere Konzepte f\u00fcr mehr Sicherheit und weniger Gewalt noch gar nicht zum Tragen kommen konnten. Es wird mit Schnellsch\u00fcssen gearbeitet, welche vornehmlich durch repressiven Charakter gl\u00e4nzen. Zugest\u00e4ndnisse an und mehr Verantwortung f\u00fcr die Fanszenen sind Handlungsstr\u00e4nge, die zumindest den sogenannten \u201eSicherheitsexperten\u201c fremd zu sein scheinen. Es besch\u00e4ftigen sich aus unserer Sicht Menschen mit Fankultur und Fanszenen, welche keinerlei Bezug zu der Materie haben und die Argumente der Gegenseite auch gar nicht h\u00f6ren wollen. Ganz fatal wird die Sache dadurch, dass auch Politiker den Fu\u00dfball als B\u00fchne f\u00fcr sich selbst entdeckt haben. Von Seiten der Verb\u00e4nde wird nun auch verst\u00e4rkt mit dem Argument vorgegangen, dass man bei \u201eUngehorsam\u201c der Vereine mit einer politischen \u201eL\u00f6sung\u201c rechnen muss. Der Sinn und Zweck der ganzen bewusst falschen Meinungsmache erschlie\u00dft sich wohl niemandem bzw. muss man davon ausgehen, dass der Sinn und Zweck die Fankultur in der heutigen Form nicht zul\u00e4sst. Der Eindruck, der Fu\u00dfballinteressierten vermittelt wird, ist doch, dass wir unf\u00e4hige Politiker und Polizisten haben, dass Fu\u00dfballfans Schwerkriminelle sind und dass das Produkt Fu\u00dfball wirtschaftlich und imagetechnisch immer mehr verliert. Wer davon profitieren soll, ist momentan absolut unklar.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Nun gab es in den Stadien und sogar in den Medien schon deutlichen Widerstand. Was hat sich dadurch ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die DFL bzw. der Ligaverband mussten stark zur\u00fcckrudern. Der Widerstand regte sich erst in einigen Vereinen und breitete sich dann weiter aus. Das Papier befand sich relativ schnell im Internet und erm\u00f6glichte so einer Vielzahl von Personen den Einblick in die teils perversen Vorstellungen manches Funktion\u00e4rs. Einige Medien griffen die Thematik infolgedessen auf, wobei wieder einmal der Gro\u00dfteil der Journalisten sehr vorsichtig war, aber zumindest wurden einige Argumente in die \u00f6ffentliche Diskussion getragen. Auf dem bereits angesprochenen Fangipfel blamierte sich dann ein Thomas Schneider (Fanbeauftragter der DFL), indem er versuchte, das dort formulierte Echo abzuschw\u00e4chen und sp\u00e4ter etwas von undemokratischen Verh\u00e4ltnissen faselte, welche seiner Meinung nach durch die Abschlusserkl\u00e4rung und die dort festgeschriebene komplette Ablehnung des Pamphlets bestehen w\u00fcrden. Offiziell soll das erste Papier nur eine Diskussionsgrundlage gewesen sein, was aber aufgrund der Verfahrensweise keinesfalls anzunehmen ist, denn hinter verschlossenen T\u00fcren schafft man keine Grundlagen. Auch die Auseinandersetzung der Fans mit der Thematik wurde offiziell begr\u00fc\u00dft, was auch schwer vorstellbar erscheint, da diese Auseinandersetzung zu komplett kontr\u00e4ren Ansichten f\u00fchrte und somit die Vorstellungen der DFL und des Ligaverbandes torpedierte. Gefu\u00dft hat das Ganze in einem \u201eneuen\u201c Sicherheitspapier der Kommission \u201eStadionerlebnis\u201c, welches am 15. November an die Vereine verschickt wurde.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Was hat sich in diesem Paket ge\u00e4ndert und wurde auf die Vorw\u00fcrfe eingegangen?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Pressemitteilung der DFL l\u00e4sst vermuten, dass man wirklich etwas begriffen hat, doch das neue Pamphlet wurde diesmal noch schneller bekannt. Inhaltlich ist die gleiche Ausrichtung zu erkennen. Teilweise sind Passagen schwammiger formuliert, lassen aber immer noch die gleichen Konsequenzen, z.B. Ganzk\u00f6rperkontrollen, zu. Besonders kritische Punkte wurden nun immerhin weggelassen wie z.B. die Forderungen an Dritte, welche unz\u00e4hlige Datenschutz- und Menschenrechtsverletzungen beinhalteten. Die Entstehung ist aber erneut als Schnellschuss zu verstehen. Die Herrschaften, welche sich scheinbar berufen f\u00fchlen den deutschen Fu\u00dfball grundlegend zu \u00e4ndern, wollen schon bei der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am 12. Dezember N\u00e4gel mit K\u00f6pfen machen. Wieder wurde keine breite Diskussion gef\u00fchrt und diesmal wurde den Vereinen nicht einmal viel Zeit zum Antworten gelassen. Sieben Tage reichen keinesfalls aus, um Alternativen auszuarbeiten oder sich ein umfassendes Bild im eigenen Verein einzuholen. Man will mit aller Macht zumindest einige Punkte durchdr\u00fccken, koste es, was es wolle. Vielleicht k\u00f6nnen der Ligaverband, die Vereine und die Fans in Zukunft auch wieder als Einheit auftreten, die ein klares Zeichen an Polizei und Politik sendet. Momentan ist das schwer vorstellbar.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>\u00a0Also war der bisherige Protest nur gering erfolgreich?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">So kann man das nicht sagen. Das Thema ist in der \u00d6ffentlichkeit. Am liebsten w\u00e4re dem Ligaverband wohl gewesen, wenn alle Vereine einfach nur abgenickt h\u00e4tten. Nun m\u00fcssen sich die Vereine mit den Anliegen der Fans und Mitglieder st\u00e4rker besch\u00e4ftigen und Fans und Mitglieder k\u00f6nnen und werden ihre Macht sinnvoll einsetzen. Au\u00dferdem soll nun jeder Punkt einzeln besprochen und auf der Mitgliederversammlung abgestimmt werden, was einerseits zu begr\u00fc\u00dfen ist, aber auch daf\u00fcr sorgen kann, dass doch einige fragw\u00fcrdige Punkte verabschiedet werden. Dennoch muss man konstatieren, dass die DFL nicht f\u00fcr einen Dialog auf Augenh\u00f6he bereit ist und man immer noch von oben herab auf Fans zu blicken scheint. Wir haben uns also nicht durch die j\u00fcngsten Ereignisse umstimmen lassen und halten unsere Aktionen weiterhin f\u00fcr wichtig. Lediglich die Aufkl\u00e4rung ist jetzt etwas schwieriger geworden, da wir nun \u00fcber zwei schreckliche Papiere informieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Was ist denn genau geplant?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bis ins kleinste Detail kann man das nicht beantworten. Im Zuge des Treffens wurde sich auf einen Minimalkonsens geeinigt, jedoch hat jede Fanszene unterschiedliche M\u00f6glichkeiten und hat weiterhin viele Freiheiten. Aufgrund der Abstimmung \u00fcber das neue Pamphlet auf der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am 12.12. hei\u00dft das Projekt \u201e12:12 \u2013 Ohne Stimme, keine Stimmung\u201c. Ab dem Wochenende des 23-25. Novembers geht die Aufkl\u00e4rung zu dem Thema und zu den Aktionen offiziell los. Viel Aufkl\u00e4rung hat aber schon davor stattgefunden und einige Aktionen werden schon an diesem Wochenende \u00fcber die B\u00fchne gehen. Die Spiele der folgenden Spieltage werden in den ersten zw\u00f6lf Minuten und zw\u00f6lf Sekunden stimmungsm\u00e4\u00dfig boykottiert. Andere Aktionen laufen begleitend, sind aber sehr unterschiedlich und bleiben den einzelnen Szenen \u00fcberlassen. Alle optischen Aktionen oder der Stimmungsboykott sind nur ein Teil der wichtigen Arbeit in Bezug auf die Gesamtproblematik. Die von uns koordinierten Punkte sind aber typisch f\u00fcr Fankurven und erreichen durch die Vielzahl der Stadiong\u00e4nger und durch das Aufgreifen der Medien einen Gro\u00dfteil der Fu\u00dfballinteressierten.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>Wie kann man euch unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\">In vielerlei Hinsicht kann man uns unterst\u00fctzen. Zun\u00e4chst sollte sich jeder informieren. Das ist das wichtigste und sollte den Aktionen in unseren Augen breiten Zuspruch bringen. Selten lagen die besseren Argumente so klar bei den Fans. Die m\u00f6glichen Konsequenzen sollte sich jeder selbst vor Augen f\u00fchren. Au\u00dferdem sollte man die Aktionen mit aktiver Teilnahme unterst\u00fctzen. Man kann \u00fcber alles diskutieren, seien es Formulierungen oder gew\u00e4hlte Stilmittel, aber momentan ist Einigkeit sehr wichtig.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Des Weiteren sollte jeder die Aktion \u201eIch f\u00fchl\u2018 mich sicher\u201c f\u00f6rdern. Hier kann man die auf der Internetseite www.ich-fuehl-mich-sicher.de get\u00e4tigten Aussagen mit dem eigenen Namen unterschreiben und somit ein weiteres klares Zeichen setzen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Webseite zu den Aktionen wird unter www.12doppelpunkt12.de zu finden sein. Hier k\u00f6nnt ihr euch informieren, auch wenn der direkte Kontakt zu den Fanszenen eurer jeweiligen Vereine sicherlich noch informativer ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen h\u00f6rte man zunehmend von geplanten deutschlandweiten Aktionen, die sich gegen die inzwischen \u00f6ffentlich gewordenen Vorstellungen der Kommission \u201eSicheres Stadionerlebnis\u201c richten sollen. Was hat es damit auf sich? 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